Debian mit Komfort

Testing, Xfce, sudo, Rolling Release, einfaches Update und mehr.


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort
2. Grundlagen
3. Installation
4. Konfiguration
5. Autologin
6. su und sudo
7. Wichtige Programme installieren
8. Rolling Release
9. Einfaches Update und Upgrade
10. Zusammenfassung
Updates diese Beitrages


1. Vorwort

Dieser Beitrag beschäftigt sich damit „Debian GNU/Linux“ komfortabel, ähnlich wie „Ubuntu“ oder „Linux Mint“, zu gestalten und trotzdem mit einer höheren Effizienz zu arbeiten. Debian wirkt etwas ungelenk, obwohl es vom Ansatz her, die moralische Instanz aller Linux-Distributionen ist. Mit diesem Beitrag möchte ich etwas Geschmeidigkeit und mehr Alltagstauglichkeit erzeugen.


2. Grundlagen

Zu Beginn empfehle ich die „Testing“-Variante von Debian zu installieren mit dem „Xfce“-Desktop. Hier eine gekürzte Übersicht der Debian-Veröffentlichungen.

2.1. Testing

heißt immer aktuelle Software und aktuellen Linux-Kernel in einer schon geprüften Umgebung. Denn bevor Debian etwas in die Veröffentlichungsvariante „Testing“ entlässt, hat es schon die zweimalige Beobachtung überstanden. Zuerst kommen neue Programmpakete in die Veröffentlichungsvariante „Experimental“ und wenn bestanden geht’s weiter in „Unstable“, nun erst kommen die erfolgreich getesteten Pakete in „Testing“ an.
Nur dringende und sehr wichtige sowie als sicher bekannte Pakete gelangen gleich nach „Testing“ oder gar bis „Stable“, was aber nur in Notfällen zu beobachten ist.

2.2. Xfce

Diese Desktopumgebung ist eine vollwertige freie Desktopumgebung für Linux, Unix und BSD, so wie „Gnome“ und „KDE“ auch. Der Vorteil von Xfce ist die Einfachheit und geringe Ressourcenbindung. Außerdem ist die von Windows bekannte Taskleiste und Desktop sehr ähnlich zu der Leiste1 und dem Desktop von Xfce, also umsteigerfreundlich. Zudem ist Xfce ist in „C“ geschrieben, was eine besondere Stabilität verspricht.
Für mich ist Xfce das Arbeitstier schlechthin, es ist einfach und schnell zu bedienen und hält einem während der Arbeit nicht mit Schnickschnack auf.


3. Installation

Wer SSD-Festplatten nutzt, kann während der Installation auf die Swap-Partition verzichten, denn diese hat nur bei mechanischen Festplatten Sinn. Die Installation selber, habe ich schon im Beitrag „Debian – die Installation“ beschrieben.

3.1. Der erste Start von Debian-Testing


Gleich nachdem man sich mit seinem selbst gewähltem Benutzernamen und seinem selbst gewählten Passwort angemeldet hat erscheint ein erstes Fenster mit der Aufforderung sich für eine Xfce-Leisten-Einstellung zu entscheiden. Es stehen zur Verfügung „Standardeinstellungen benutzen“ oder „Eine leere Leiste“. Der Einfachheit halber sollte die Wahl auf „Standardeinstellungen benutzen“ fallen. Jetzt ist der Desktop im Xfce-Original-Zustand.


4. Konfiguration

4.1. Ergonomie


Überprüfen der realen Auflösung des Bildschirms und der Systemeinstellung „Anzeige“. Denn nur eine übereinstimmende Auflösung ergibt ein wirklichkeitsnahes Bild mit richtig skalierter Schrift.


5. Autologin

Für einen Einzelarbeitsplatz unter Kontrolle kann auch das Autologin aktiviert werden. Also beim Start des Computers fährt dieser dann bis zum Desktop des jeweiligen Benutzers hoch.
Terminal

su
Passworteingabe für root
mousepad

Im „Mousepad“ unter Menüpunkt “Datei“ die Datei „/etc/lightdm/lightdm.conf“ öffnen. Dort diese Textstelle suchen:

#autologin-user=
#autologin-user-timeout=0

und diese Textstelle ändern in:

autologin-user=Mein-Benutzername
autologin-user-timeout=0

speichern und „Mousepad“ sowie Terminal schließen.


6. su und sudo

Die unter Debian getroffene Entscheidung „su“ also den echten root-Benutzer zu nutzen um kleine administrative Aufgaben zu erledigen ist meiner Meinung nach zu kurz gesprungen. Denn erstens werden Betriebssysteme meist als Desktop und nicht als Server-Systeme betrieben und zweitens benötigt ein Desktop-Benutzer nicht die volle Kraft von root. Außerdem kann auch das System beim „ausprobieren“ zerstört werden und im schlimmsten Fall kann man sogar die Hardware beschädigen. Und so erfolgt die Umstellungen eines normalen, also eingeschränktem Debian-Benutzerkonto, zu einem Debian-Benutzerkonto mit sudo-Rechten.
Terminal

su
Passworteingabe für root
apt install sudo
gpasswd -a Mein-Benutzername sudo

Ab jetzt kann mit einer Auswahl von Befehlen, ausreichenden zum Administrieren des Betriebssystems, vom normalen Benutzer ausgeführt werden.


7. Wichtige Programme installieren

7.1. Vorinstallierte Programme

Die meisten der Alltagsprogramm sind schon installiert, wie

  • Dokumentenbetrachter, unter anderem als PDF-Viewer
  • Firefox
  • Gimp
  • LibreOffice
  • Mousepad, der Editor
  • Ristretto, der Bildbetrachter
  • Synaptic
  • VLC-Mediaplayer
  • Xfburn, das CD- und DVD-Brennprogramm
  • Xfce-Terminal
  • Xsane, das Scannerprogramm

Außerdem sind noch vorinstalliert:

  • Bildschirmfoto, erstellt Screenshots
  • Taskmanager
  • Thunar, der Dateimanager

7.2. Installation von empfohlenen Programmen

Die Installationen erfolgen ab jetzt mit sudo-Rechten.

a) Thunderbird, der E-Mail-Client

„Thunderbird“ heißt unter Debian „Icedove“ und ist außer Name und Logo zu 100% identisch. Siehe dazu das Update.
Terminal

sudo apt install icedove
Passworteingabe für Mein-Benutzername

Die deutsche Anwendungssprache kann installiert werden mit:

sudo apt install icedove-l10n-de
Passworteingabe für Mein-Benutzername

Für Firefox ESR, ESR steht für Langzeitunterstützung, die deutsche Anwendungssprache installieren geht ebenso:

sudo apt install firefox-esr-l10n-de
Passworteingabe für Mein-Benutzername

Oder man nutzt „Synaptic“ für die Installation, sofern das Terminal abschreckt, dann siehe nächsten Punkt 7.3. a) Synaptic.

7.3. Installation von Systemprogrammen

a) Synaptic

Für viele Linuxbenutzern ist „Synaptic“ die beste grafische Oberfläche für Installationen und Programmsuche.
Terminal

sudo apt install synaptic
Passworteingabe für Mein-Benutzername

b) Bleachbit

Zudem empfehle ich „Bleachbit“, die Reinigungsfachkraft, damit reinigt man das Betriebssystem und im Autostart kann es nach jedem Start ein frisches System ohne Altlasten bieten.
Terminal

sudo apt install bleachbit
Passworteingabe für Mein-Benutzername

Einstellungen von Bleachbit
Beim ersten Start von Bleachbit erscheint der Einstellungsdialog. Hier meine empfohlenen Einstellungen. Bleachbit
Daten die von Bleachbit nicht gelöscht werden sollten
1. Arbeitsspeicher, noch nicht ausgereift
2. Freier Speicherplatz, dauert zu lange und ist unnötig und
3. Lokalisierungen, alle Sprachen außer English werden gelöscht.

c) Grsync

ist ein grafisches Frontend zu „rsync“ und ist ein Werkzeug für fein einzustellende Backup-Arbeiten.
Terminal

sudo apt install grsync
Passworteingabe für Mein-Benutzername

Ausnahmen werden im Anwendungsfenster unter „Erweiterte Optionen“ eingetragen. Hier ein Beispiel:

--exclude=/.config/catfish/

8. Rolling Release

Das wirklich spannende bei Debian-Testing ist, das man es als „Rolling Release“ einstellen kann, also ein immer während aktuelles System auf die gesamte Lebenszeit des Computers oder auch des Benutzers.

8.1. Paketquellen

Mit Hilfe von „Synaptic“ kann man die Packetquellen so einrichten, das immer die Pakete von „testing“ bezogen werden.
Vorgehensweise: „Synaptic“ öffnen → Menü „Einstellungen“ → Submenü „Paketquellen“
Nur die beiden dargestellten Paketquellen werden benötigt.
Paketquellen1 Paketquellen2

8.2. Weitere Einstellungen

„Synaptic“ öffnen → Menü „Einstellungen“ → Submenü „Preferences“ → Tab „Distribution“


9. Einfaches Update und Upgrade

Für das einfache Updaten kann man ein Script erstellen, das alle update-Befehle und upgrade-Befehle mit anschließender Bereinigung vornimmt.

  1. eine leere Textdatei erstellen mit Namen „all-update“
  2. Datei in das Homeverzeichnis legen, also unter „/home/Mein-Benutzername/all-update“
  3. Inhalt des Script:
    #!/bin/bash
    # Author: Frank Rosenberger
    # Copyright (C) 2017 Frank Rosenberger
    # Date: 2017-01-31
    # Script Name: all-update
    # Version: 0.1
    # Description: update and upgrade debian
    # Written by Frank Rosenberger
    if apt list --upgradable && apt update && apt upgrade && apt dist-upgrade && dpkg --configure -a && apt install -f && apt clean && apt autoremove && apt autoremove --purge
    then
    echo $(basename './all-update' .sh) "successful"
    else
    echo $(basename './all-update' .sh) "error!"
    exit 1
    fi
    echo "end"
  4. Script mit Kontextmenü-Eintrag „Eigenschaften“ und Reiter „Zugriffsrechte“ berechtigen mit Häckchen für „Datei darf als Programm gestartet werden“.
    Oder im Terminal

    chmod a+rx all-update
  5. täglich 1x Aufrufen des Scripts mit:
    Terminal

    sudo ./all-update
    Passworteingabe für Mein-Benutzername
    

10. Zusammenfassung

Hier eine Übersicht über die komfortable, effiziente und sichere Arbeitsweise mit Debian GNU/Linux.

  1. Die Testing-Variante ist sicher und mit aktueller Software und neuem Kernel gefüllt.
  2. Der Xfce-Desktop, das Arbeitstier in vertrauter Umgebung ohne Ablenkung.
  3. Eine Installation ohne Swap ist auf einer SSD sogar schneller und bringt mehr Speicherplatz.
  4. su oder sudo, allgemeine administrative Rechte schnell bekommen.
  5. Wichtige Programme zur Selbsthilfe, alle mit grafischer Schnittstelle.
  6. Rolling Release, das immer aktuelle Betriebssystem auf Lebenszeit.
  7. Einfaches Update und Upgrade der Distribution mit Script „all-update“.

Updates diese Beitrages

Update am 2017-02-18

  • „Icedove“ ist in „Debian Experimental“ als „Thunderbird zurückgekehrt.
  • Im Script fehlte ein Zeilenumbruch, korrigiert.
  • Das Script ausführbar machen, korrigiert.