Wohnungswechsel

Alter PC Umzug in neue PC

Ziel: Es geht um den Umzug eines bestehenden Systems von einem alten PC auf einen neuen PC, also neue Hardware.

Zielgruppe: Personen mit grundlegendem IT-Wissen.

Voraussetzung: Ich setze voraus, dass dem Umzug ein aktuelles und vollständiges Backup, besser gleich zwei, vorliegt.

Gut wäre es auch, wenn der alte PC noch voll lauffähig ist.

1. Umzug von Linux-PC

  1. Klonen der bisherigen alten Festplatte auf eine neue Festplatte „M.2 NVMe“
  2. Neue Festplatte in neuen PC einstecken, starten
  3. Fertig

2. Umzug von Windows-PC

2.1. Voraussetzungen

Für dieses blaue Abenteuer benötigen Sie:

  • Einen gültigen „License key“, also Lizenz-Schlüssel
  • Geduld
  • Aufmerksamkeit

2.2. Betriebssystem

Hat der neue PC schon ein installiertes Windows oder muss ein neues Windows installiert werden? Natürlich können Sie den alten Lizenz-Schlüssel wieder verwenden für den neuen PC, aber

  1. ist das verboten, laut EULA, die Sie bei der Erst-Installation akzeptiert haben
  2. wollen Sie es dennoch, entgegen der rechtlichen Situation, mit dem alten Lizenz-Schlüssel versuchen, wird dieser nicht sofort akzeptiert, da er an die Prüfsumme der alten Hardware gebunden wurde
  3. weiterhin dauert eine komplette Windows-Installation, beginnend mit dem Download bis zur fertigen Installation eine erhebliche Zeit
  4. danach sind noch einige Klippen für den Datenabfluss zu umschiffen, damit der PC nicht die ganze Zeit mit Servern in den USA plappert und die Ressourcen des neuen PC schon beim Start verschlingt
  5. weiter sind noch alle aktuellen Windows-Updates zu installieren
  6. nun noch schnell die persönlichen Einstellungen vornehmen, wie Desktop-Symbole des Systems und das Datei- und Ordnerverhalten regulieren
  7. jetzt noch einen Webbrowser installieren, der nicht gleich Werbung, Bing und anderen Interessengruppen ihre Wünsche erfüllt

Punkt 4. bis 7. trifft auch auf die meisten gekauften Windows-PC zu.

Wobei, ein vorinstalliertes Windows bringt viel Bloatware und Scareware mit, die muss auch erst noch deinstalliert werden, sonst kann es böse Überraschungen geben, nach der Art „Dieses Programm ist KOSTENLOS, bitte geben Sie nun Ihre Bankdaten ein!“

2.3. „Eigene Dateien“

Das Wiederherstellen der persönlichen Verzeichnisse und Dateien, funktioniert im bekanntesten Falle per „drag and drop“ oder „copy and paste“ vom Backup-Medium.

Haben Sie eine gekaufte Backup-Software, müssen Sie diese

  1. Downloaden
  2. Installieren
  3. Lizenzieren
  4. Einrichten

Am allerbesten, Sie haben einen IT-Profi an der Hand, dann schreibt er Ihnen ein schnelles Backup- und Restore-Script.

2.4. Programme installieren

Die ideale Lösung ist es, alle Programme neu zu installieren, aber es gibt viele Ausnahmen.

a) Open-Source-Software

Wenn Sie Open-Source-Software nutzen, sollte die Installation relativ einfach sein. Hier ein paar Beispiele:

  • Firefox
  • Thunderbird
  • LibreOffice
  • Gimp
  • Inkscape
  • VLC-Player
  • OBS-Studio
  • Avidemux
  • Signal Messenger
  • Chromium
  • Filezilla
  • Bluefish

Für Firefox und Thunderbird gibt es ein Programm mit Namen „Mozbackup“, das alle relevanten Daten in eine komprimierte Datei sichert und gleich auf den neuen PC wieder herstellen kann. Achten Sie aber darauf, dass jeweils die gleiche Programm-Version installiert ist, gegebenenfalls auf den alten PC noch aktualisieren.

Hinweis
Für jedes proprietäre Programm gibt es als Alternative eine Open-Source-Software.

b) Proprietäre Software

Sollten Sie jedoch proprietäre, meist gekaufte, Software nutzen, wird es etwas komplizierter.

  • Ist der Lizenz-Schlüssel noch vorhanden
  • Ist der Lizenz-Schlüssel noch gültig
  • Gibt es zu diesem alten Lizenz-Schlüssel noch die veraltete Version zum Download
  • Ist die alte Programm-Version auf „Windows 11“ auch lauffähig
  • Und zum Schluss, oft verstoßen solche Programme bewusst gegen die DSGVO, gefährlich für die Firmen- und HomeOffice-PC’s

Beispielsweise ist der Support für „MS Office 2013“ und „Office 365 ProPlus“ schon Anfang des Jahres 2017 abgelaufen. Kaufen Sie „MS Office 2016“, dass sollte doch noch lauffähig sein.

Übrigens, bei den anderen proprietären Software-Anbietern sieht es nicht viel anders aus.

2.5. Programme die nicht installiert werden

Es kommt häufiger vor, als man es sich vorstellt.

a) DOS-Programme

Alte DOS-Programme mit wichtigen Funktionen und Daten sollten in der Regel leicht verschoben werden. Beachten Sie, das Konfigurationen oft nur über Verlinkungen beziehungsweise PIF-Dateien möglich sind.

b) Komplizierte Programme

Programme die ein sehr kompliziertes Verhalten und eine sehr komplizierte Lizenz besitzen, müssen auch verschoben werden, wenn es überhaupt möglich ist. Da nicht immer klar ist von was eine Prüfsumme erstellt wurde, ob diese Prüfsumme bei jedem Start abgeglichen wird und ob diese auch noch binär hinterlegt ist.

Hinweis

Bei dem Verschieben ist zu beachten, das folgende Verzeichnisse mitunter zusätzlich von Programmen genutzt werden:

  • %ALLUSERPROFILE%
  • %APPDATA%
  • %CommonProgramFiles%
  • %CommonProgramFiles(x86)%
  • %HOMEPATH%
  • %LOCALAPPDATA%
  • %PROGRAMDATA%
  • %PROGRAMFILES%
  • %PROGRAMFILES(x86)%
  • %SystemDrive%
  • %SystemRoot%

Die Pfade habe ich deshalb als Variable angegeben, weil es viele Möglichkeiten einer Windows-Installation gibt.

Wer seine Variablen aufgelöst sehen will, gibt im CLI „set“ ein.

2.6. Datenwiederherstellung in Programmen

Nutzen Sie unbedingt die Sicherungsmodule die innerhalb von Programmen laufen. Diese können die Datenbank im eigenen Syntax sichern und wiederherstellen.

Als Beispiele fallen mir „SFirm“, „StarMoney“ ein und andere Programme die alle eine Datenbank nutzen.

Hinweis

Wieder sollten auf dem alten PC und dem neuen PC dieselbe Programm-Version laufen. Also gleich nochmal auf den alten PC das Programm aktualisieren, neu starten und sichern.

2.7. Diverse Wiederherstellungen

Das könnten unter anderem die Anpassung vorhandener Scripts sein.

Zertifikate müssen wieder eingebunden werden.

Ebenfalls darf die Anpassung der Netzlaufwerke zu den User-Verzeichnissen nicht vergessen werden.

Auch die Aufgabenplanung spezifischer Prozesse, sofern vorhanden, sind noch vorzunehmen. Bei dem Import von Aufgaben ist unbedingt die Identifikation des vordefinierten Benutzerkonto, also SID, anzupassen.

Aufgabenplanung-01
Aufgabenplanung-02

2.8. Exotische Windows-PC Umzüge

Für Eilige und Verzweifelte gibt es noch andere Lösungen, die aber nicht seriös und nur für Leute gedacht sind, die wenigstens die Tastenkombinationen für Bootdevice-Menü und Windows-Startoptionen sowie die Zeitfenster für diese Tastenkombinationen kennen.

a) Klonen

Selbstverständlich kann man auch die Windows-Festplatte(n) klonen. Beim ersten Start im neuen PC sollte dann sofort das Reparatur-Menü aufgerufen werden und die „notwendige“ Reparatur durchgeführt werden.

Hinweis

Für alle die nicht wissen, was der Unterschied vom bitgenauen Klonen und relativem Spiegeln ist, sollten von dieser Methode Abstand nehmen.

b) Einfach Umstecken

Falls im alten PC schon ein neuer Datenträger ist, dann auch nach dem Umstecken und beim ersten Start sofort das Reparatur-Menü aufrufen und „reparieren“.

Hinweis

Das ist die niemals empfohlene Harakiri-Methode!

c) „Wunderbare“ Programme

Zu sogenannter PC-Umzugs-Software für Windows kann ich nichts sagen, außer das ich mir gar nicht vorstellen kann, wie ein über Jahre gewachsenes und individuelles System von einer Software automatisch und im Detail erkannt wird.

Gerade bei Windows werden in einer komplette Übernahme eben überall die vollen ungenutzten Cache-Verzeichnisse, unnötige Temporäre Ordner, Deinstallations-Überbleibsel, abgestürzte Dateien, abgelegte „Sicherheitsdateien“ und die schon vorhanden Fehler auch übernommen. Somit haben Sie den alten PC wieder, fast genauso langsam und fehlerhaft.

3. Fazit

Das nächste Mal nehmen Sie einfach Linux. Wenn Sie dennoch Linux neu installieren wollen, bitte schön, in 8 Minuten ist alles erledigt.

Und wenn es Programme wie „SFirm“ sein müssen, dann eben mit einem Windows-Emulator wie „wine“; obwohl, „wine“ ist das rekursives Akronym für „Wine Is Not an Emulator“.

Auch gibt es die Möglichkeit, virtuelle Maschinen wie beispielsweise in VirtualBox oder Qemu im „Seamless-Modus“ zu nutzen.


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